Karl-May-Verlag, Bamberg/Radebeul

15. Mai 2026

 

Verkauf des traditionellen 
Karl-May-Verlags

 

Neuigkeiten zum Verlagsverkauf werden hier laufend ergänzt. Zum Start zwei Interviews

Mediengruppe Bayern (ehemals Verlagsgruppe Passau) und der Passauer Neuen Presse (PNP).

15. Mai 2026

 

Der Spiegel vom 12. 05. 2026

von Arno Frank

 

Interview:

Karl-May-Verleger über seinen Abschied von Winnetou

 

»Kulturell wurden die Indianer ein zweites Mal ausgerottet«

 

Bernhard Schmid leitet den traditionsreichen Karl-May-Verlag in dritter Generation, jetzt sucht er einen Nachfolger. Was er über die »I-Wort«-Debatte denkt und ihn beim Besuch einer Spielwarenmesse schockiert hat.

SPIEGEL: Herr Schmid, Sie waren viele Jahre lang Leiter des Karl-May-Verlags. Jetzt haben Sie angekündigt, sich »nach und nach zurückziehen« zu wollen. Warum?

Schmid: Ich möchte nach bald 35 Jahren ein wenig zur Ruhe kommen. Wie genau dieser Abschied über die Bühne geht, weiß ich aber noch nicht. Ich hoffe, einen Nachfolger zu finden, dem ich mein Wissen und meine Erfahrung weitergeben kann. Und es könnte sein, dass auch ein neuer Eigentümer mein Engagement zumindest für eine gewisse Zeit schätzen dürfte.

SPIEGEL: Sie wollen Winnetou in gute Hände abgeben?

Schmid: Ja, es geht mir nicht ums Finanzielle. Wir sind eine gesunde Firma, schuldenfrei. Ich könnte den Laden auch einfach zusperren – mir geht es aber darum, dass es mit Karl May weitergeht. Von seinen Romanen werde ich mich nie verabschieden. Ich habe sogar geplant, die gesammelten Werke noch einmal zu lesen.

SPIEGEL: Kennen Sie die nicht schon in- und auswendig?

Schmid: Nein, unter anderem den »Ölprinz« habe ich das letzte Mal vor 40 Jahren gelesen. Andere Kinder bekamen zum Geburtstag oder an Weihnachten ein Karl-May-Buch geschenkt. Bei mir waren es immer gleich zehn Exemplare, der Vorteil als Sohn des Verlegers.

SPIEGEL: Ihr Großvater gehörte 1913 zu den Gründern des Unternehmens.

Schmid: Er hat Karl May zweimal persönlich getroffen und ihm Ideen unterbreitet, wahrscheinlich zu einer Werkreihe von dessen Romanen. Die Antwort war: »Sie sollten mein Verleger werden!«

SPIEGEL: Nun leiten Sie den Verlag in der dritten Generation. Fällt bei einem Familienbetrieb der Abschied umso schwerer?

Schmid: Es gibt da einen bekannten Spruch: Die erste Generation baut es auf, die zweite bewahrt es, und die dritte setzt es in den Sand. Das kann man mir nach all den Jahren nun wirklich nicht vorwerfen. Ich hatte immer den Ehrgeiz, dass es mit Karl May weitergeht. Er ist es wert.

SPIEGEL: Gilt das heute noch? Die Lesegewohnheiten haben sich geändert.

Schmid: Es ist seit seinem Tod wirklich kein Jahrzehnt vergangen, in dem in der Presse nicht irgendwann ein Bericht erschienen wäre mit dem Tenor: »Niemand liest mehr Karl May!« Gegner hatte er immer. Abgesänge gibt es auch heute. Und bewahrheitet hat es sich nie.

Dies sind Ausschnitte. Der gaze Artikel ist nicht freigeschaltet. (Bezahlschranke)

29. März 2022

 

Börsenblatt:

 

Westernreiter und unermüdlicher Kämpfer

 

Er weist jeden Feuilletonisten, der die Wichtigkeit von Karl May oder seine literarische Bedeutung in Frage stellt, unerbittlich in seine Grenzen: Heute wird Bernhard Schmid 60 Jahre alt. Ein Glückwunsch von Ralf Alkenbrecher.

Unsere Branche kennt zahlreiche Fälle von nicht gelungenen Vater-Sohn-Verlagsübergaben. Ein gelungener Übergang war die Übergabe der Verleger-Staffel von Lothar Schmid an Bernhard Schmid im Jahre 2007 nach dessen Eintritt 1993 in den Verlag. Seit dieser Zeit kann Bernhard Schmid auf einen beachtlichen Erfolg zurückblicken, insgesamt über 130 Titel zeigen ihn als (Co-)Herausgeber/(Co-)Autor neben 170 Titeln, die er zusätzlich als Verleger betreut hat. Nur wenige wissen, dass er heute nicht nur als DER Karl-May-Spezialist gilt, sondern durch sein Zutun auch im Verlag alles rund um Karl May und seine Zeit erhältlich ist. Der Internet-Shop des Verlags bietet heute nicht weniger als 2.300 Artikel an, neben Büchern von und über Karl May finden sich dort DVDs, Briefmarken, Uhren, Münzen, T-Shirts und antiquarische Raritäten – für Karl-May-Fans eine Fundgrube und Autorität, die letztlich dem eine gesicherte wirtschaftliche Basis liefert.

Nach Studium in Erlangen absolvierte Schmid in den 80er Jahren eine Ausbildung im Carl Ueberreuter Verlag, wurde Verkaufsleiter bei Boje sowie im Pestalozzi Verlag – Verlage, die zur damaligen Zeit wichtige Kinderbuchverlage waren.

Wenig überrascht, dass er gemeinsam mit seiner Frau dem Westernreiten frönt, schon eher, dass er ein regelmäßiger Skifahrer ist, der für dieses Hobby auch mal gerne auf Karl May und den Verlag verzichtet.

Aber letztlich zeichnet Bernhard Schmid vor allem ein Kriterium vieler Verleger aus: Auch er kämpft ebenso wie andere bekannte VerlegerInnen für "seinen Autor" und nutzt jede Gelegenheit, jeden Leserbrief, jedes Abendessen, um auf Deutschlands erfolgreichsten Autor (laut Wikipedia weltweit 200 Millionen verkaufte Exemplare) hinzuweisen. Er weist jeden Feuilletonisten, der die Wichtigkeit von Karl May oder seine literarische Bedeutung in Frage stellt, unerbittlich in seine Grenzen. Und: Er wird nicht müde, das nachlassende Interesse des Buchhandels an seinem Autor zu beklagen, er leidet, wenn die seit einem Jahr fertige neue Jugend-Verfilmung zum 3. Mal verschoben wird. Sein Wunsch ist, dass auch die heutigen jugendlichen Leser an den Autor herangeführt werden, um deren Fantasie anzuregen. Wenn Sie den erfolgreichen Verleger feiern wollen, dann gestalten Sie als Geschenk einen Sondertisch oder ein Sonderfenster zu Ehren von Karl May – mehr wünscht sich der Verleger sicherlich nicht zu seinem runden Geburtstag.

Es gratuliert ganz herzlich und hofft im Hintergrund auch ein wenig zur Verbreitung von Karl May beizutragen

Ralf Alkenbreche